Interview:

Ein paar Fragen an Daniel:

Wann hast Du mit dem Sport angefangen und wie kamst Du dazu?

Ich habe mit sieben Jahren angefangen, Kampfsport zu trainieren. Karate, Muay – Thai, Boxen, Tai - Chi, Taekwondo und Kickboxen... alles probierte ich aus. Ich stellte sehr schnell fest, dass das meine Welt ist und nicht nur ein Hobby, sondern eine richtige Leidenschaft. Kampfsport ist mein Leben - ich bin die Kampfkunst. Das kann man nicht trennen. Das Training ist ein Teil von mir…

Wie hart ist Dein Training?

Das Training ist sehr hart. Laufen, Schwimmen, Radfahren, Krafttraining... die allgemeine, körperliche Fitness ist neben der guten Technik von ausschlaggebender Bedeutung. In der Hauptwettkampfphase trainiere ich etwa 28 - 32 Stunden pro Woche. Das ist Hochleistungssport. Gleichzeitig gibt es mir sehr viel... eigentlich Alles . Das Gefühl zu Leben. Das Gefühl, ich selbst zu sein. Im eigentlichen Kickboxtraining arbeitet man viel mit einem Partner. Man übt auch alleine am Sandsack, macht Schattenboxen, Seilspringen... letztendlich wird bei uns im Training sehr viel Sparring gemacht – also gekämpft. Das ist ja unterm Strich das, was irgendwann rauskommen soll!

Wie oft trainierst Du?

Ich trainiere täglich zwei Mal. Alles streng nach einem eigens auf mich abgestimmten, individuellen Trainingsplan. Sonntag ist Ruhetag. Da hat man Zeit zur Regeneration und zum Entspannen. Sauna, Whirlpool, Massagen und so... Die Pause ist ebenso wichtig, wie das Training. Nur in der Pause wirst Du besser. Wenn man dies nicht beachtet kommt man relativ schnell ins Übertraining – das passierte mir nach der WM 2006 in Spanien. War aber dann zum Glück nicht so wild.

Was entscheidet aus Deiner Sicht die Kämpfe? Technik? Einstellung? Wille zum Sieg?

Ein guter Kämpfer braucht neben ein wenig Talent eigentlich nur zwei Dinge: Das Kämpferherz! Und das nötige Feuer! Dann hast Du den Willen, die Kraft... Alles zu geben. Wieder Aufzustehen... immer weiterzumachen... immer etwas mehr zu machen als der Andere... besser zu sein als der Rest .

Was studierst Du und wie lange noch?

Ich studiere Sport und Deutsch auf Lehramt am Gymnasium im 8. Semester an der Universität in Karlsruhe. Ich werde voraussichtlich zehn bis elf Semester dazu benötigen, das Studium erfolgreich abzuschließen. Es ist schon schwer, ich lerne wegen des vielen Trainings nicht allzu viel , aber es macht sehr, sehr großen Spaß!!!

Ist ein Fight schmerzhaft?

Nicht wirklich. Durch ein optimales Training ist man dementsprechend gut vorbereitet und man hat gelernt, so Einiges wegzustecken. Das hilft einem im übertragenen Sinne auch im Leben. Es macht Dich einfach stärker.

Was hälst Du von dem Gerücht, dass Boxer doof sind?

Alle beiden Klitschko – Brüder haben jeweils einen Doktortitel. WKA - Weltpräsident Klaus Nonnemacher schloss sein Studium in Karlsruhe erfolgreich ab. Ich selbst studiere an der Universität in unserer Stadt im 8. Semester Sport und Deutsch auf Lehramt am Gymnasium. (Kick-) Boxer sind nicht doof. Falls man Intelligenz am beruflichen oder schulischen Erfolg messen will, sind die eben genannten Beispiele ein kleiner Beweis dafür. Aber auch im zwischenmenschlichen Bereich gibt es viele, viele Kämpfer, die alles andere sind als unsensibel oder kalt.

Was war Dein härtester Kampf?

Mein härtester Kampf... hmmm, ich hatte schon ein paar davon. Der Allerhärteste bisher war wahrscheinlich im August 2007. Ich kämpfte gegen einen unglaublich starken Russen auf der Amateur – WM in Karlsruhe. Diesen Kampf gewann ich nur sehr knapp nach Punkten und unter Aufbringung meiner allerletzten Kraft – und Konditionsreserven... es war das Halbfinale. Er hieß Mukhamedyanov Viacheslav und war total nett. Wir unterhielten uns kurz vor und nach dem Kampf, ein sehr cooler Typ und ein super Kampf!

Du bist recht jung für einen Weltmeister...

Ich habe mit 23 Jahren in Berlin meinen dritten WM-Titel im Kickboxen geholt. Darauf bin ich schon sehr stolz und freue mich sehr. Ich habe aber trotzdem noch so Einiges vor und bin hungrig.

Verdienst Du damit Geld?

Im Amateurbereich so gut wie gar Nichts. Ich bin leider immer noch abhängig von Sponsoren. Und die sind in unserem Sport leider sehr schwer zu finden, da leider noch ab und zu geglaubt wird, Kickboxer (oder auch oft: Kampfsportler allgemein) haben nichts in der Birne und wollen sich das letzte bisschen Verstand, was sie besitzen, aus eben dieser Birne grad mit Absicht rausprügeln! Wenn man einen Kampf im Rahmen einer Profigala kämpft, was ich bisher insgesamt zehn Mal machen durfte, ist ein kleines Honorar drin, aber nie sehr viel.

Die schlimmste Verletzung?

Man glaubt es kaum, aber ich habe mich durch das Training oder den Kampfsport noch nie so richtig verletzt! Natürlich zähle ich hierzu nicht solche Sachen wie blaue Augen, Prellungen, kleinere Rippenanbrüche, Verstauchungen, gebrochene Zehen oder Hämatome - die sind für einen ernsten Kampfkünstler ja total normal.

Tut Dir der Andere nicht leid, wenn Du ihn verklopft hast?

Nein. Wenn dem so wäre, würde ich bei einem starken und guten Gegner nicht gewinnen. Es ist nur ein Sport. Dem Stürmer im Fußball tut der gegnerische Torwart auch nicht Leid, wenn er ein Tor schießt. Aber eine Sache ist wichtig: Wenn man mal ein gewisses Niveau auf den Turnieren erreicht hat, findet sich nur noch sehr schwer unfaires Verhalten unter den Kämpfern. Im Ring schenkt man sich nichts und man will auch gewinnen, jedoch steht eines bei meinen Gegnern und mir immer im Vordergrund: Die Fairness! Höflichkeit und Bescheidenheit zeichnen einen guten Kämpfer aus! Man kann ohne Probleme hart und kompromisslos kämpfen – aber trotzdem unglaublich fair sein und ein "guter" Gegner. In meinen Augen ist das das Wichtigste! Man respektiert sich und achtet sich. Schenkt einander die nötige Verehrung in Form einer Verbeugung. Alles ist mit Regeln verbunden und wird bei einem Regelverstoß auch dementsprechend sanktioniert. Kampfkunst, in meinem Fall nun Kickboxen, ist mehr als das, was man sieht. Neben dem Training, den Erfolgen und allen anderen physischen, äußerlichen Phänomenen steht immer eines im ganz vorne: Die spirituelle Entwicklung des Individuums.

Wie lange willst Du das noch machen?

Da im Kampfsport, speziell bei den Kämpfen, die man im Ring austrägt, das Auge und die Erfahrung eine sehr große Rolle spielt, finden sich die besten Kämpfer so in etwa im Alter von 28 bis vielleicht 34. Körperliche Fitness ist eine Sache – die Erfahrung, die Coolness und "das Auge" eine Andere... Somit sehe ich für mich auf jeden Fall noch mindestens zehn lange Jahre lang Spaß! Das eigentliche Training abgesehen von den Wettkämpfen, mit denen ich auch jederzeit aufhören könnte, kann man bis ins hohe Alter betreiben: Mein Taekwondo – Großmeister Eui Min Ko aus Südkorea feiert dieses Jahr seinen 68. Geburtstag und ist noch fit wie ein Turnschuh!!!

Wie hat sich Dein Selbstbewusstsein verändert?

Ich war eigentlich schon immer ziemlich selbstbewusst. Als dann der Erfolg hinzu kam, hab ich mich einfach nur noch ein bisschen mehr gefreut. Aber ich habe schon seit jeher versucht, selbstbewusst und aufrichtig meine Persönlichkeit zu vertreten. Ein Weltmeistertitel macht Dich nicht selbstbewusster als vorher. Vielmehr macht Dich Dein Selbstbewusstsein zum Weltmeister...

Dein Lieblingsfilm?

Oh da gibt es Viele. Die meisten haben was mit meiner Einstellung oder mit dem Training, mit der Kampfkunst zu tun: Bloodsport ist ein super Film. Lasst Euch vom Titel nicht erschrecken! Oder Rocky! Dann noch der Film Chok – Dee, das ist thailändisch und bedeutet: Viel Glück!
Mein absolutes Lieblingsbuch aber ist: Der Pfad des friedvollen Kriegers - von Dan Millman.


Deine größten Erfolge auf einen Blick:

Nach diversen Qualifikationsturnieren gewann ich den Titel bei der Amateur – WM in Spanien. Diesen Titel verteidigte ich mit Erfolg am 30. September 2007 in der Europahalle in Karlsruhe. Mein bisher größter Erfolg ist der Weltmeistertitel im Vollkontakt bis 85 Kilogramm. Diesen holte ich mir im Oktober 2008 auf der WM in Berlin… danach gewann ich noch den EM - Titel im K1 in Bregenz im Jahre 2009.


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